An die Masse

Verstarren nennt ihr diesen Blick,
der fragend sich in eure satten Eingeweide bohrt -
und mit ungetrübter und ungeübter Titane
sich dreht und windet in Spiralen.

Verachten nennt ihr diese Abwendung des Ich,
das seinen Hals seitlich am Spiegel vorbei krümmt -
und seine Tränen mit Erbrochenem
weit hinter des Spiegels Brennpunkt erbricht.

Verlachen nennt ihr die Puppen des Spielers,
der Leben studiert, vergleichend lenkt -
und hilflos allein in eurem Gehirn puhlt,
offen und träge, klitschiger Schling.

Verstehen nennt ihr empathisch Gedachtes,
Mitschleifmoment des nahen Rades -
zeitgleiches Handeln der Ursachen wegen,
die unverstanden im Kreis sich drehen.

Erstarren nennt ihr flüssige Schwere,
die den Stein erfasst auf dem Weg zum Grund -
und in sich verharrend, sinkend vorbei
des Flusses gegensätzliches Sein.


erschienen in:
Michael Goller & Mike Wassermann. Konkretes Vergessen
Leipziger Literaturverlag 2009, ISBN 978-3-86660-076-8