Forschungsreisender der Kunst

Michael Goller im Atelier, 2005 (Foto: Peter Piek)Michael Gollers Ölgemälde sind keine leicht verdauliche Kost. Das Auge des Betrachters kapituliert zunächst vor der Wucht spektakulärer Farbkompositionen, deren schemenhafte Linienführung zusätzlich verkompliziert wird durch eingefügte, schwer entzifferbare Runen. Völlig anders wiederum gestalten sich des Künstlers Zeichnungen auf Papier, welche mit sparsamsten Mitteln auskommen. Sollen Sinn und Anliegen der Werke nicht verborgen bleiben, muss man sich ihnen, ausgerüstet mit Interesse und Geduld, nähern wie einem auszugrabenden Schatz. Auch Michael Goller selbst erreichte seinen heutigen Status als außergewöhnlicher, freischaffender Künstler nicht ohne eine gewisse Mühe. Innere wie äußere Kämpfe begleiteten seinen Weg, formten seine Persönlichkeit.
Eher aus Langeweile und Sinnsuche heraus schuf der Chemnitzer im Teenageralter seine ersten Zeichnungen mit Bleistift oder Tusche. Er vertiefte sich beinahe schon suchtartig in die Materie, stöberte in Fachliteratur und entwarf 1992 erste Ölbilder. Die Auseinandersetzung mit der Kunst und sich selbst hatte ihren Preis. Michael Goller wurde zum Eigenbrödler, denn er stieß bei seinen Mitmenschen auf Unverständnis und Ablehnung.
1995 wechselte der Künstler in ein völlig neues Metier, nahm ein fünfjähriges Medienstudium auf, schloss dieses mit Diplom ab und lehrte anschließend Mediendesign an der Hochschule Mittweida. Während dieser Jahre durchlebte Michael Goller jedoch auch künstlerisch eine Entwicklung, welche sich prägend auf seinen heutigen Stil auswirken sollte. Er entwickelte eine eigene Runenschrift und übte sich im beidhändigen Schreiben und Zeichnen. Die eingearbeiteten Schriftsymbole in den Gemälden sind heute ein Markenzeichen des 33 Jährigen.
Ungeachtet seines bestehenden, künstlerischen Erfolges und der Beteiligung an zahlreichen Ausstellungen absolviert Michael Goller seit einigen Jahren ein unabhängiges Malereistudium. Er bleibt auch weiterhin der Unruhige, Getriebene und Suchende.
„Ein Bild zu malen ist, als würde man sich auf eine Forschungsreise begeben... Da ist etwas, was es noch nicht gibt. Man muss es entdecken und erforschen“, erklärt der Künstler den emotionalen Werdegang seiner Werke, deren Beschreibung durch Kunstexperten mit Worten wie „opulent“, „orchestral“ oder „expressiv“ vermutlich nur unzureichend gelang. Michael Gollers Gemälde können eben nur visuell richtig erlebt werden.

Michael Voigt, 6/2005, Lipsia Präsenz Verlag, Delitzsch (Foto: Peter Piek)