"Das Fragmentarische und Dissoziative scheinen perfekt geeignet, das Urbild unserer Wirklichkeit abzubilden: Im Rauschen der medialen Eindrücke ist einzig das Flüchtige von Bestand. Die Bilder von Goller sind in der Lage, beide zu vereinen: Die Flüchtigkeit, denn wir können in ihnen hin und her zappen, und jeder Quadratzentimeter der Leinwand eröffnet uns eine neue Geschichte und einen neuen Horizont; Die Beständigkeit, denn wir wissen und erkennen im Bild, dass hinter jedem Fragment eine nicht beliebige Vorgeschichte steht, ein schwieriger Kampf im künstlerischen Prozess, der dauerhaft in den Tiefen der Leinwand weiter tobt.
Der Künstler ist der Rebell, der hinausschaut, die Welt schaut, sich dadurch aber auch isoliert, und daran zerbrechen kann. Goller hat diese Erfahrung am eigenen Leib gemacht, wird aber keineswegs müde, seine Auffassung von Welt weiter in seiner Malerei zu vermitteln. Bis heute hat er schon ein sehr umfangreiches Oeuvre geschaffen, das eigenständig und ungewöhnlich ist. Seine Malerei ist ein Angebot und eine Aufforderung an uns, einen anderen Blick auf unsere Welt zu richten. Dabei sind hier aus der Fülle der inhaltlichen und formalen Motive nur einige wenige zur Sprache gekommen. Es ist noch viel zu entdecken..."
Torsten Obrist 03/2008, publiziert im Katalog "Rumpelstilzchen", Saarländisches Künstlerhaus 2008
"Was flüchtig betrachtet vielleicht wie ein mehr oder weniger zufällig zusammengepinseltes Farbgebilde daherkommt, erweist sich bei genauerem Hinsehen jedoch als durchdachte Komposition. Man erkennt die gezielte Farbauswahl und den bewussten Einsatz der künstlerischen Ausdrucksmittel eben eine „wohlgeordnete Zusammenfügung“. Skizzen
und Studien sind deswegen auch wichtige Vorarbeiten für
Goller, der allerdings auch dem Zufall beim Arbeiten noch seinen Raum
lässt. In ständiger Reflexion treibt er seine Bilder
voran, verdichtet, verwirft und übermalt immer wieder. Das
kann sich zum Teil über sehr lange Zeiträume
erstrecken - schließlich kann man in seinen Werken aber immer
auch etwas von diesem Prozess verspüren. Es sind keine glatt
gestrichenen Bilder, keine leblosen Gebilde, sondern
impulsiv-leidenschaftliche Malereien.
Der Einstieg in jedes seiner Gemälde ist wie das
Aufspüren einer Erzählung. Wie ein dickes Buch
hält es für uns einen Schatz an Geschichten bereit.
Es hat fast etwas mit Archäologie zu tun, seinen Werken auf
den Leib zu rücken, sie sprechen zu lassen, denn man muss
diese Schichten für sich freilegen.
Ebenso zu entschlüsseln gilt es die eigentümlichen
Schriftzeichen – eine Gollersche Eigenschöpfung
–, die wie Runen oder steinzeitliche Zeichen in die Farbhaut
hineingekratzt sind und helfen, fast jedes Werk auch begrifflich zu
erfassen.
Die Mehrschichtigkeit und Komplexität, das Gleichzeitige
disparater Geschehen, von dem unsere Tage bestimmt sind, finden sich
hier entsprechend visualisiert.
In den großen Leinwänden ergießen sich
Formen und Inhalte von orchestraler Fülle und Opulenz auf den
Betrachter. Man ist fast geneigt, hier von einem „Horror
vacui“ zu sprechen. Dagegen bilden die Zeichnungen und
Arbeiten auf Papier mit ihrer kammermusikalischen Konzentration eine
Art Gegenpol. Sie sind sparsamer im Bildaufbau und auf wenige Elemente
reduziert. Ganz deutlich wird hier eine weitere Gollersche Eigenheit
sichtbar: eine gewisse Diskrepanz oder Zweigleisigkeit in den
verwendeten Mitteln, was allerdings gut auskalkuliert ist: Exakte
Zeichnungen feinster Linearität, zumeist Stilleben-Szenerien
oder antike Porträtbüsten darstellend, treffen auf
gestische Farbspritzer, Tropfen, Flecken, wodurch die Werke ihre
pulsierende Dynamik und einen eigenen Rhythmus bekommen."
Alexander Stoll 04/2006, publiziert im Katalog "Gastmähler", Verlag TheThinkfactory 2007
"Michael Goller malt und textet, textet und malt. Manchmal nebeneinander
her, oft aber ineinander. Er mag der Getriebenste und Rastloseste sein
unter den Querschlägern, bei dem Selbstzweifel und
Höhenrausch eng beieinander liegen.
Seine Malereien sind ornamental, expressiv und erzählerisch in
einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter Farbmagie, wollen
verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst
bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ
Umschreibender, der Kosmen durch Poesie bannen will. So hoffen seine
Bildtitel zB von der Versklavung des Schöpfers durch die
Erlösung des Geistes und der Materie, was auf dem Bild wie
labyrintische Verwirrung anmutet. Immer wieder werden Wörter
und Sätze den Malereien eingeschrieben, meist nicht mehr zu
entziffern nähern sie sich Hieroglyphen an. Verqueres
Zeitrauschen, in dem sich Perspektiven verkehren, Räume durch
Farbflächen verschlossen werden, Figuren und Tiere zeichenhaft
irgendwo in den Bildschichten steckenbleiben, Fußtritte sich
breitmachen und Hände verschwinden. Ab und an aufgeklebte,
aufgemalte Din-genormte Rechtecke wie eine kühl einbrechende
Gegenwart in sein schöpferisches Chaos, mit einem anderen Code
der Verständigung. Doch Michael Goller bleibt erdverbunden,
wie mit dem nutellaverschmierten Mund oder dem Gespräch mit
Teebeutel. Ironie und Hintersinn allemal, das Poetische eher die
dahinter verborgene Welt. Auf alle Fälle Malereien, die sich
aus ihrer sinnlichen Substanz heraus selbst zu einem Gegenpol der kalt
sentimentalen Warenästhetik machen."
Dr. Ina Gille 05/2005, publiziert im Katalog "Gastmähler", Verlag TheThinkfactory 2007
"Michael Gollers Kunst ist beeinflusst von skriptural
arbeitenden Künstlern wie auch von expressiver Malerei. Als
Bewunderer des Medienzeitalters und professionell im Umgang mit den
neuen Medien ist er trotzdem leidenschaftlicher Maler. Bei der
Verbindung von Schrift und Bild, die Michael Goller in zahlreichen
Werken anstrebt, spielen die Aspekte des Miteinanders, der Vernetzung
und der Kommunikation eine wesentliche Rolle. Die beste Wirkung seiner
Bilder liegt in einer Synthese aus Wort und Bild. Zum Zwecke des
Verständlichmachens seines bildhaften Denkens, dient Michael
Goller die Schrift auf seinen Bildern. Michael Goller, gehört
zu der Generation von Künstlern, die mit Wort und Bild
arbeiten und die mit der Synthese beider Kunstformen ein gemeinsames
Ziel, die nichtrationale Erkenntnis, verfolgen. Seine
symbolträchtigen pastosen Malereien erscheinen mir von
besonderer Hintergründigkeit. Sein Temperament lebt auf in der
Farbe. Er trägt sie vehement und doch überlegt, mit
gezügelter Energie auf um den Inhalt, der ihm immer wichtig
ist, maximal vermitteln zu können. Goller hinterlässt
auf der Leinwand Spuren und Gesten, Andeutungen von
Figürlichem, scheinbar flüchtige Notizen und
eingearbeitete Fundstücke unseres schnelllebigen technoiden
Zeitalters. Seit einiger Zeit durchläuft Michael Goller die
dramatischer Entwicklung expressiver Malerei. Seine starken und
symbolbeladenen pastosen Malereien sind von besonderer
Schönheit und auch Hintergründigkeit. Ein generelles
Merkmal seiner Bilder ist der Dimensionssprung, das heißt,
eine Synthese von verschiedenen visuellen Auffassungen zu einem Komplex."
Bernd Weise 02/2001, publiziert im Katalog "Labyrationen", Edition Erata 2003
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