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10. Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste in Dresden vom 1.7. bis 25.9.2016

Bleistiftzeichnungen

Der reine Strich bahnt sich in den Bleistiftzeichnungen Michael Gollers seinen unwiderruflichen Weg ins Bild. Dabei handelt es sich ausschließlich um Abbilder von Vergangenem, die sich in einem fortwährenden Arbeitsprozess unter der Moderation des Künstlers selbst auf dem Papier organisieren. Den Zugang zu den Bleistiftzeichnungen fand der Künstler in bedeutsamen persönlichen Fotos beispielsweise aus seiner Kindheit, die er nach dem Zeichnen vernichtete, um den Abzeichenprozess mit dem Einmaligen und damit dem Vergänglichen zu konfrontieren. Diese Haltung der Wertschätzung des Abbildes aus seiner eigenen Vergangenheit als einmalige Vorstellung von Geschichte überträgt er mit dieser Erfahrung des Vernichtens nun auf Bilder aus Tageszeitungen. Er entnimmt sie ihrer ursprünglichen Bedeutung und platziert diese, getrieben vom Finden der reinen Linie, auf die großen wie kleinen Papierbögen.
Jeder Moment hat seine eigene Vergangenheit und Zukunft als eine Vorstellung in uns. Das Gewesene ist ausgeformt gewesen, wir haben ein Abbild davon und glauben aufgrund des Abbilds die Geschichte zu erkennen. Sie sind die konzentrierte Präsenz des Gewesenen in der Gegenwart und bilden so (individuelle) Wirklichkeit.
Michael Goller nimmt die Welt auf und bringt sie mit der größtmöglichen Wertschätzung zu Papier. Der Künstler ist der unabdingbare Moderator, Dirigent, Dompteur, viele Begriffe könnten zutreffen, einer sich selbst findenden Komposition. Beim Betrachten der Bleistiftzeichnungen werden wir Inhalte erkennen, die in neue Zusammenhänge gefügt sind."

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In the pencil drawings by Michael Goller, the pure line channels its irrevocable way into the picture. These are exclusively reflections of the past, that organize themselves in a continual working process on the paper under the artist’s moderation. The artist found access to the pencil drawings by meaningful photographs from his personal past. He destroyed those photographs after drawing in order to confront his drawing process with uniqueness und thus with evanescence. Now, he transfers this attitude of appreciation of the image from his own past as an unique conception of history together with the experience of destruction to images from daily newspapers. He extracts them from their original meaning and places them on large as well as small sheets of paper, driven by the urge to find the pure line. Every moment has its own past and future as conceptions within us. The past has been given a final shape- we have a concept of it and believe to discern history because of this image. They are the concentrated presence of what has been in the present and thus form (individual) reality. Michael Goller absorbs the world and brings it to paper with the utmost appreciation. The artist is the indispensable moderator, conductor, tamer- many terms could be applied- of a self-encountering composition. By looking at the pencil drawings we will see content that is assembled into new contexts.