Schachbilder

Neissegalerie / Schachverein Görlitz 11.3. bis 29.3.2008

Fast alle Bilder Gollers haben zeichnerische Elemente. So finden sich auf seinen Bildern oft ähnliche Gegenstände – bei den hier in Görlitz gezeigten sind es oft Schachfiguren. Sein typisches „Bild im Bild“ bildet den Kontrast zu Farbe und Fläche.
Die Übermalung ist ein Grundprinzip dieser Ausstellung und vielleicht Gollers künstlerischen Ansatzes überhaupt. Die untere Schicht, meist Inhaltsträger, bleibt nur noch fragmentarisch erhalten oder wird in Ausschnitten wieder „ausgegraben“.
Hat Michael Goller in den hier gezeigten sieben Stillleben aus den Jahren 2003 und 2004 noch alte Landkarten übermalt, so ist er inzwischen dazu übergegangen, die zu übermalende Bildebene selbst zu erstellen. Basis für die drei 2006 entstandenen Arbeiten mit dem Titel „Asperger-Syndrom“ sind drei Werke aus einer fünf Jahre zuvor entstandenen Serie „42 Köpfe“. Diese passen thematisch perfekt zu den „Internal Server Error“-Bildern. Es sind sehr persönliche und malerische Arbeiten. Ausgangspunkt war eine tiefere Beschäftigung mit autistischen Störungen.
Die beiden Papierarbeiten „Schachspieler“ entstanden bereits 2001 in einer Folge von Papierarbeiten, die nach „Mensch und Werkzeug“ sucht. So gibt es noch Tennisspieler, Mikrofonredner, Gitarrespieler usw. . Beim hier gezeigten Schachspieler findet die prägende, äußerlich sichtbare Aktion in dem kurzen Moment des Interagierens mit der Schachfigur statt, wenige Sekunden des Aufnehmens und Absetzens der Figur. Die Idee des Spiels, die Absicht des Zuges, ist hingegen von außen nicht sichtbar, es ist nur eine fragmentarische Ebene. Die Malerei versucht nun dabei die Schnittstelle auszuloten zwischen innen und außen.
Die drei Bildnisse „Erinnerungen an Licht“ entstanden 2006. Hier hat Michael Goller seine Künstlerkollegen Klaus Sobolewski und Peter Piek sowie sich selbst porträtiert. Die konkrete Person ist hier die untere Ebene, die hinter den Schachfiguren, hinter dem dialogischen Bewusstsein liegt. Es ist eine Wahrnehmung wie während eines Spiels. Zudem eine Suche nach Weiß, ein Vorgriff auf eine Entwicklung, die bis heute anhält.
Die kleinformatigen Stillleben mit Schachfiguren entstanden erst vor kurzem, in Fortführung des gleichen Gedankens. Eine konkrete Bildsituation (Hier wurden Vorlagen aus einem Werbeprospekt für Internet-Server verwendet!) und das konkrete Schachstillleben darüber sind sehr deutlich und plakativ. Die Frage nach dem Wert und der Art der Kommunikation stellt sich. Das hat Michael Goller immer schon beschäftigt, die Fragen wurden quälend bei der intensiven Begegnung mit Programmierungsstrukturen und forderten eine malerische Suche nach einer Antwort. Daran arbeitet er bis heute.
Das Schachspiel entwickelt sich aus einer dialogischen kommunikativen Situation. In gewisser Weise eine Sprache, ein Gespräch, statt aus Wörtern aus Zügen bestehend. Aus dem guten Spiel (wie auch aus dem guten Gespräch) entsteht ein eigenes Gesprächsbewusstsein, ein interdialogisches Subjekt. Es ist dann so, als würde zwischen den Gesprächsteilnehmern (oder Spielern) eine dritte Person auftauchen, die durch ihre Präsenz den Dialog steigert: Das dialogische Bewusstsein. So einen Versuch macht nun auch die Malerei, nach dem Bewusstsein dazwischen zu suchen. Mittel sind Ebenen, Fragmente, Einbrüche und die Hoffnung, dass im Malerischen sich alles findet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, Michael Gollers Arbeiten fordern den Dialog zwischen Bild und Betrachter. Sollen Sinn und Anliegen der Werke nicht verborgen bleiben, muss man sich ihnen nähern wie einem auszugrabenden Schatz. Die Realität in seinen Bildern ist nur Fragment, das sich mit anderen Dimensionen ergänzt zu einem Bildkosmos. Seine Bilder sind wie Eisberge. Sie umfassen das Ganze und zeigen dennoch nur einen kleinen Teil. Der Rest muss gefühlt werden, ist nicht in Worte zu fassen. Rechteckige Durchbrüche sind „Kommunikationspunkte“. Wie schwarze Löcher ziehen sie unsere Aufmerksamkeit auf sich. Eigentlich müsste der Betrachter viel mehr Zeit haben. Mindestens soviel wie das Malen des Bildes in Anspruch nahm, also oft Monate.
Anett Sänger, Vizepräsidentin Schachverein Görlitz, 03/2008

Neissegalerie (Foto: Tom Sänger)

© Foto: Tom Sänger

Als mich die Einladung zu der Ausstellung „Michael Goller – Schachbilder“ erreichte, habe ich mir gedacht: ‚ Schade – schaffst du nicht’.
Aber als dann noch mein Freund vom Schachverein, Günter Pätzold, angerufen hat, habe ich mich nur vergewissert: „Ist das eine Vorladung?“ – und als er das bejahte, wusste ich: Jetzt ist Intelligenz gefragt! Wer ist G o l l e r ?! Was hat er den Leuten angetan?
Wieso wird es richtig, wenn ich zu der Ausstellung gehe? Was hat sie mit Schach zu tun?
Diese Frage klärte sich als erste: Hier ein Satz aus Wikipedia, der Freien Enzyklopädie, ich zitiere:
„Gollers Bilder bestehen aus ver s c h a c h telten Ebenen…“ (Ende Zitat). Also ist E R und seine Werke an der richtigen Stelle.
Ermutigt habe ich mich gefragt: Was könnte ich mit ihm Gemeinsames haben?
Die erste Parallele war, er ist in Karl-Marx-Stadt geboren und lebt in Chemnitz.
Ich bin in Brzesc in Polen geboren und das heißt jetzt Brest und ist in Weißrussland.
Er hat mehr Glück gehabt – das Land ist dasselbe. Nur die Umstände sind anders.
Des weiteren: Er hat in Mittweida unterrichtet. Ich war in Mittweida, habe dort ein paar Jahre meines Lebens verbracht – nicht freiwillig. Was war schon freiwillig in den Jahren 1942 bis 1945, außer vielleicht der Feuerwehr! Daraus resultiert aber, dass ich doppelt so alt bin wie Michael Goller.
Genug Gründe, um sich mit Ihm zu messen – im Sinne der Verständigung! Das heißt, ich möchte den Künstler Michael Goller aus Chemnitz kennen lernen, durch seine Bilder und Zeichnungen. Und das erwies sich zumindest theoretisch als nicht so einfach, nachdem ich den Satz von Alexander Stoll als Einführung in mein Wissen über „Gollersche Eigenheit“ gelesen habe; ich zitiere: „Was flüchtig betrachtet vielleicht wie ein mehr oder weniger zufällig zusammengepinseltes Farbgebilde daherkommt, erweist sich bei genauerem Hinsehen jedoch als durchdachte Komposition.“ (Ende des Zitats).
Nun bin ich gekommen, um genauer hinzusehen! Übrigens – weitere Kritiken waren noch weniger ermutigend und verständlich. Vielleicht aus mangelndem Wortschatz bei mir. Vielleicht auch nicht.
Und da habe ich mir vorgenommen: Frag doch mal den Herrn Michael Goller, ob Er alles versteht und glaubt, was die Politiker sagen. Und dabei ist es doch immer gut gemeint, was sie sagen!
Sowohl die Politiker wie auch die Kritiker!
Jozef Sontowski, Bürgermeisters von Zawidow (Seidenberg)/Polen , Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V., 11.3.2008

Schachspieler

Der Schachspieler
2001, Mischtechnik auf Papier, 67 x 47 cm