
Fotos: Michael Knauth
Michael Gollers Bilder sind als poetische Reflexionen zu verstehen; er misstraut der einfachen Abbildung. In seinen Arbeiten werden figürliche und abstrakte Elemente, Spuren von Zeichnung und Schrift zu einem dichten Bildgeflecht verwoben. Der Malduktus entwickelt ein Eigenleben, die Form wird gebrochen und aufgelöst; dennoch wird die Gegenständlichkeit nie in Frage gestellt.
Durch Verformung der Bildmotive und ihre Kombination erscheint uns das Vertraute plötzlich fremd. Die Titel geben Hinweise- Erkundungen, Entdeckungen und letztlich Deutungen bleiben dem Betrachter überlassen.
Jens Asmus, Berlin 9/2007
Gastfreundlich
Auf dem Mars und in Chemnitz
Ist von Chemnitz als wichtigem ostdeutschen Kunststandort die Rede, geht es zumeist um Künstler, die nicht mehr so ganz zur Jugend im engeren Sinne gezählt werden können. Unter den wenigen Nachwuchskadern diesseits der Clara-Mosch-Generation hat sich Michael Goller unterdessen einen Namen gemacht, der zur Gruppe Querschlag gehört. Dazu hat sicherlich die Beharrlichkeit von Galerist Bernd Weise mehr beigetragen als gelegentlicher Aktionismus einer Art, die man schon irgendwo gesehen zu haben glaubt.
Als die Galerie Weise noch in der SchmidtBank-Passage residierte, gab es auf früheren Goller-Bildern schon Krakel zu sehen, die an nordische Runen erinnern. Die sind trotz mancher künstlerischer Hakenschläge auch auf den neuen Gemälden zu finden. Doch nun kann man sogar Worte darin erkennen. "Gastmahl" steht da immer wieder, und so nennt sich auch die ganze Ausstellung fast schon folgerichtig "Gastmahl auf dem Mars". Wenn man sich den griechischen Ursprung des Wortes, Symposion also, zu Gemüte führt, wird klar, dass es nicht allein um Essen und Trinken geht, sondern auch um höhere Werte. Somit erklärt sich auch, warum solch ein Gelage auf einem Planeten stattfinden kann, der nicht gerade für gastronomische Qualitäten bekannt ist.
Gollers kleinere Formate sind zuweilen recht lakonisch angelegt, wie etwa die "Katholischen Experimente". Bei den großen Leinwänden schichtet er aber gern übereinander. Neben der verdünnt aufgetragenen Farbe sind dann außer jenen typischen Runen auch pictogrammartige Elemente oder sparsame Strichzeichnungen nach dem Collageprinzip eingefügt. Wer schon mal an einem richtigen Gastmahl in einem südlichen Land teilnehmen durfte, weiß, dass sich da die Leckereien zuweilen in mehreren Lagen stapeln. Und dass es in den Diskussionen am Tischrand auch um Gott und die Welt geht.
Dr. Jens Kassner, Stadtstreicher, 11/2007
Gastmahl
2006, Öl auf Leinwand, 130 x 160 cm
Privatsammlung, Dresden
Pantheistisches Experiment
2007, Bleistift, Tusche auf Papier, 47 x 67 cm
Privatbesitz