
Lesung zur Finissage im Heck-Art
Reinhold
Lindner zur Ausstellung in der Freien Presse
Der Anstoß wirkt – Querschlag
verlängert
Junge Chemnitzer Künstlergruppe bleibt noch zwei Wochen in der
Heck-Art-Galerie
Die Heck-Art-Galerie verlängert ihre Ausstellung
Querschlag III bis zum 11. Juli, der Anstoß wirkt positiv
nach. Was in der Sparkasse für Aufsehen sorgte und schon am
Eröffnungsabend den Abbruch der Ausstellung provozierte kommt
zu Ansehen.
Dabei haben die anstandlosen Objekte nun durchaus einen verschämt-versteckten Eckplatz im Heck-Art-Haus. Und es sind auch nicht einmal die hinterrücks kopulierenden Gliederpuppen der Lust-Objekt-Kunst Michael Knauths, das vorgeblich Obszöne ist die seitenverkehrte Querschlag-Konstellation von vier Signets, die Faschismus, Geld- und Gottgläubigkeit sowie Sex zusammenführend symbolisieren. Michael Goller und Peter Piek, die Maler, Dirk Hanus, Fotografie, und Michael Knauth, Konzeptkunst, haben sich vor ungefähr zwei Jahren zur Künstlergruppe Querschlag zusammengefunden um sich zu entzweien. Sie wollen sich selbst in die Haare kriegen um sich mit der Gemeinheit, anders gesagt der Gesellschaft, zu krachen: „Querschlag –
geistig-visuelle Provokation auf künstlerischer
Ebene“ heißt ihr Konzept der Kunst. Hat also
geklappt.
Die Obhut des Vereins Kunst für Chemnitz hat andere
Gründe als einen latenten Sparkassen-Skandal. Hier handelt es
sich um vielversprechende Kunst in Chemnitz und gute Kunst
müsste an sich immer auf Querschlag gegen den allgemeinen
Trend aus sein. Gollers Bilder wie auch die des Noch-Studenten Piek
sind unbändig frei gemalt. Die Berufung auf Traditionen etwa
von Rodin oder
Chagall
bei Goller oder das Thema „Köpfe“ bei Piek
entledigt sich sogleich der Last der Kunstgeschichte und stellt
überlieferte Motive neu in Frage: Hier ist meine Ansicht von
Faun und Nymphe, meine Gedanken in deinem Kopf.
Bei Knauth ist alles aufs Minimale reduziert –
Wortstücke, Augenpaar auf großer Fläche
entgegengesetzt – ein Zustand: geblieben, geben, weggelebt
usw. Jene Gliederpuppen bedürfen keiner Begriffe erst, sie
kontern ihren Charakter als Werbeträger, einfachste
Kommunikation ohne Alternative. Rein mechanisch von Hand gegliedert,
begliedert. Dirk Hanus muss mit der „Lampengalerie“
im Treppenhaus vorlieb nehmen, seine Schwarz-Weiß-Fotos
versetzen die Augen ins Außerordentliche der Sehweisen,
Perspektiven auf den Körper oder die Paarung mit
völlig konträren Fundstücken. Was man
Verfremdung nennen könnte, ist aber eher Befreundung mit der
momentanen Situation des Arrangements: Nieder mit dem
herkömmlichen langweiligen Akt.
Mehr ist das alles nicht, vor allem ist es nicht weniger. Es bedurfte
für den Querschlag keiner Abwicklung, Dialog wäre
mehr. (RL)
Eröffnung der Ausstellung Querschlag III der Künstlergruppe Querschlag am 26.5. in der Sparkasse Moritzhof, einführende Worte von Dr.Ina Gille aus Leipzig, Musik von der klassischen Sängerin Ines Theileis aus Dresden. Buchpremiere und Aktion "Öffentliche Hängung".
*Leider wurden alle!!! Werke am 27.5. mit zweifelhaften Begründungen von der Sparkasse ohne Absprache mit den Künstlern abgehängt und zensiert.

A4-Bilder
alle 105 x 150 cm, Öl auf Leinwand, 2004
![]() Die rote Schallplatte |
![]() Gastmahl auf der Wiese |
![]() Zustände der Zeit |
![]() Nr.6 |
![]() Nr.7 |
![]() Nr.5 |
Antwort auf eine Frage, die Blindheit betreffend
M.G.:
Gehen sie davon aus, dass es der Menschheit in kürzester Zeit von nur wenigen Generationen gelungen ist, mit Hilfe des allgegenwärtigen Schematismus, die Sehorgane so heranzuzüchten, dass sie, um zu funktionieren, nun des Schemas bedürfen.
Das betrifft auch das Sehen von Farben und Formaten. Die zufällige Funktionalität des Eins-zu-Wurzel-zwei-Verhältnisses. Wie praktisch: die Proportionen erhalten sich bei der Teilung.
Der Schematismus hat bereits sein selektives Evolutionswerk verrichtet.
Erfolgreich.
Schön.
Sie brauchen A4? Sie lieben das Schema, geben Sie es endlich zu. Aber spalten Sie sich nicht auf. Sehen Sie, nun ja, vielleicht. Die Synthese.
Springen Sie mit?
Synthetisieren wir uns!
aus der Laudatio der Leipziger Kunsthistorikerin Dr. Ina Gille
"...Michael Goller malt und textet, textet und malt. Manchmal nebeneinander her, oft aber ineinander. Er mag der Getriebenste und Rastloseste sein unter den Querschlägern, bei dem Selbstzweifel und Höhenrausch eng beieinander liegen.
Seine Malereien sind ornamental, expressiv und erzählerisch in einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter Farbmagie, wollen verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ Umschreibender, der Kosmen durch Poesie bannen will. So hoffen seine Bildtitel zB von der Versklavung des Schöpfers durch die Erlösung des Geistes und der Materie, was auf dem Bild wie labyrintische Verwirrung anmutet. Immer wieder werden Wörter und Sätze den Malereien eingeschrieben, meist nicht mehr zu entziffern nähern sie sich Hieroglyphen an. Verqueres Zeitrauschen, in dem sich Perspektiven verkehren, Räume durch Farbflächen verschlossen werden, Figuren und Tiere zeichenhaft irgendwo in den Bildschichten steckenbleiben, Fußtritte sich breitmachen und Hände verschwinden. Ab und an aufgeklebte, aufgemalte Din-genormte Rechtecke wie eine kühl einbrechende Gegenwart in sein schöpferisches Chaos, mit einem anderen Code der Verständigung. Doch Michael Goller bleibt erdverbunden, wie mit dem nutellaverschmierten Mund oder dem Gespräch mit Teebeutel. Ironie und Hintersinn allemal, das Poetische eher die dahinter verborgene Welt. Auf alle Fälle Malereien, die sich aus ihrer sinnlichen Substanz heraus selbst zu einem Gegenpol der kalt sentimentalen Warenästhetik machen..."
zur Abhängung, Zensur und vorzeitigen Schließung der Ausstellung
