Autochronologische Obduktion

Galerie am Anger Flöha 14.10.-16.10.2005

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Galerieinfo

Zutaten: Holz (handverarbeitet), pflanzliches Öl, echtes Leinen 13%, Stahl (gehärtet)17%, Pigmentpulver, Wachse, Farbstoff E 23, Verse aus kontrolliert lyrischem Anbau, Emulgatoren: Wein-Aroma, Weißbrot
Bei Außentemperatur ausgestellt bis siehe Eindruck, Formatschwankungen künstlerisch bedingt, hergestellt in Deutschland

Die Ausstellung "autochronologische Obduktion" zeigt neue Arbeiten der Künstler Jens Ossada und Michael Goller.
Beide Künstler tangieren stark biografisch die Region.
Beide bewegen sich in ihrem mittlerweile formell und inhaltlich ausgereiften Schaffen im Spannungsfeld zwischen bildnerischem und textlicher Aussage.
Ein ständiger Dialog zwischen den künstlerischen Medien und zwischen den Künstlern, der sich bereits über einen mehrjährigen Zeitraum erstreckt.
Die dialogische Lesung zur Vernissage am 14.10. um 20.00 Uhr in der Galerie am Anger möchte mit einem ebenso authentischen wie experimentellen Ansatz diesem Spannungsfeld gerecht werden.

"bildMichael Goller malt und textet, textet und malt. Manchmal nebeneinander her, oft aber ineinander. Er mag der Getriebenste und Rastloseste sein unter den Querschlägern, bei dem Selbstzweifel und Höhenrausch eng beieinander liegen.
Seine Malereien sind ornamental, expressiv und erzählerisch in einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter Farbmagie, wollen verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ Umschreibender, der Kosmen durch Poesie bannen will. So hoffen seine Bildtitel zB von der Versklavung des Schöpfers durch die Erlösung des Geistes und der Materie, was auf dem Bild wie labyrintische Verwirrung anmutet. Immer wieder werden Wörter und Sätze den Malereien eingeschrieben, meist nicht mehr zu entziffern nähern sie sich Hieroglyphen an. Verqueres Zeitrauschen, in dem sich Perspektiven verkehren, Räume durch Farbflächen verschlossen werden, Figuren und Tiere zeichenhaft irgendwo in den Bildschichten steckenbleiben, Fußtritte sich breitmachen und Hände verschwinden. Ab und an aufgeklebte, aufgemalte Din-genormte Rechtecke wie eine kühl einbrechende Gegenwart in sein schöpferisches Chaos, mit einem anderen Code der Verständigung. Doch Michael Goller bleibt erdverbunden, wie mit dem nutellaverschmierten Mund oder dem Gespräch mit Teebeutel. Ironie und Hintersinn allemal, das Poetische eher die dahinter verborgene Welt. Auf alle Fälle Malereien, die sich aus ihrer sinnlichen Substanz heraus selbst zu einem Gegenpol der kalt sentimentalen Warenästhetik machen." Dr. Ina Gille, 05/2005

"Die Skulpturen, die Jens Ossada in Flöha zeigt, synthetisieren Konstruktivistisches mit auflodernden Emotionen, die sich jedoch nicht zu einer zerstörerischen Rebellion überreden lassen, sondern der Gestaltung den Vorrang geben.
So haben die weitgefächerten Systemkritiken selbst wieder System und sind nach analytischer Zerlegung in legosteinhafte Einzelteile wieder Grundbestandteil eines positivistischen Weltbilds.
Dabei geht Jens Ossada den bewussten Weg durchs Material, in einer Zeit erzwungener und gespielter Transzendenz durchaus keine Selbstverständlichkeit.
So spricht das Material ebenso wie die eigenständig dazu stehenden Texte "vom Umbau des Wesentlichen" und bauen dabei das Wesentliche wesentlich um." Mike Wassermann 10/2005

Pressestimme

Aus den Tiefen des Seins
Werke von Jens Ossada und Michael Goller in der Galerie am Anger

Flöha. Eine „autochronologische Obduktion“ war zu Ausstellungseröffnung am Freitagabend in der Galerie am Anger angekündigt und dazu gabs in der Einladungskarte einen Gummihandschuh. Doch wer Blutrünstiges vermutete, war auf dem Holzweg: Er versinnbildlichte lediglich den einzigen gemeinsamen Text der beiden Künstler Jens Ossada und Michael Goller, den sie an diesem Abend im Wechselspiel unterm Gebälk der alten Weberschen Fabrik lasen – „Der Handschuh“.
Doch auch ohne Handschuh drangen sie mit ihrer „dialogischen Lesung“ ins Innere des Menschen vor. Denn wer eigene Lyrik liest – und das taten der Mittweidaer und der Chemnitzer – der kehrt gewissermaßen sein Innerstes nach außen, zumal, wenn es solche Lyrik ist, die eigenen Befindlichkeiten in der Reibung mit der Außenwelt nachspürt und das in äußerst verknappter Form, voller Bildern, deren Sinn sich dem Außenstehenden beim einmaligen Hören nur schwer erschließt. Aber schließlich sind die Autoren Maler – von Michael Goller kommt in diesem Monat der „Weltrettungsthriller“ „Das Malbuch“ heraus.
Zu sehen gab es in der Ausstellung neueste Werke: hintergründige große Holzskulpturen von Ossada, Ölbilder und Zeichnungen von Goller. Und gerade auf denen spielt Schrift eine wichtige Rolle: rätselhaft, lasziv, verwirrend. Schade nur, dass die Ausstellung nur ein Wochenende zu sehen war. Denn es braucht oft Zeit, um den Schlüssel zu den Werken zu finden.
(Gudrun Frohmader, Freie Presse)

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