
Galerieinfo
Zutaten: Holz (handverarbeitet), pflanzliches Öl, echtes Leinen 13%, Stahl (gehärtet)17%, Pigmentpulver, Wachse, Farbstoff E 23, Verse aus kontrolliert lyrischem Anbau, Emulgatoren: Wein-Aroma, Weißbrot
Bei Außentemperatur ausgestellt bis siehe Eindruck, Formatschwankungen künstlerisch bedingt, hergestellt in Deutschland
Die Ausstellung "autochronologische Obduktion" zeigt neue Arbeiten der Künstler Jens Ossada und Michael Goller.
Beide Künstler tangieren stark biografisch die Region.
Beide bewegen sich in ihrem mittlerweile formell und inhaltlich
ausgereiften Schaffen im Spannungsfeld zwischen bildnerischem und
textlicher Aussage.
Ein ständiger Dialog zwischen den künstlerischen
Medien und zwischen den Künstlern, der sich bereits
über einen mehrjährigen Zeitraum erstreckt.
Die dialogische Lesung zur Vernissage am 14.10. um 20.00 Uhr in der
Galerie am Anger möchte mit einem ebenso authentischen wie
experimentellen Ansatz diesem Spannungsfeld gerecht werden.
"
Michael Goller malt und textet, textet und malt. Manchmal nebeneinander her, oft aber ineinander. Er mag der Getriebenste und Rastloseste sein unter den Querschlägern, bei dem Selbstzweifel und Höhenrausch eng beieinander liegen.
Seine Malereien sind ornamental, expressiv und erzählerisch in
einem, sie mischen Comicelemente mit abstrakter Farbmagie, wollen
verstören durch inhaltliche Direktheit und dabei reine Kunst
bleiben. Ein realitätswacher Träumer, assoziativ
Umschreibender, der Kosmen durch Poesie bannen will. So hoffen seine
Bildtitel zB von der Versklavung des Schöpfers durch die
Erlösung des Geistes und der Materie, was auf dem Bild wie
labyrintische Verwirrung anmutet. Immer wieder werden Wörter
und Sätze den Malereien eingeschrieben, meist nicht mehr zu
entziffern nähern sie sich Hieroglyphen an. Verqueres
Zeitrauschen, in dem sich Perspektiven verkehren, Räume durch
Farbflächen verschlossen werden, Figuren und Tiere zeichenhaft
irgendwo in den Bildschichten steckenbleiben, Fußtritte sich
breitmachen und Hände verschwinden. Ab und an aufgeklebte,
aufgemalte Din-genormte Rechtecke wie eine kühl einbrechende
Gegenwart in sein schöpferisches Chaos, mit einem anderen Code
der Verständigung. Doch Michael Goller bleibt erdverbunden,
wie mit dem nutellaverschmierten Mund oder dem Gespräch mit
Teebeutel. Ironie und Hintersinn allemal, das Poetische eher die
dahinter verborgene Welt. Auf alle Fälle Malereien, die sich
aus ihrer sinnlichen Substanz heraus selbst zu einem Gegenpol der kalt
sentimentalen Warenästhetik machen." Dr. Ina Gille, 05/2005
"Die Skulpturen, die Jens Ossada in Flöha zeigt, synthetisieren Konstruktivistisches mit auflodernden Emotionen, die sich jedoch nicht zu einer zerstörerischen Rebellion überreden lassen, sondern der Gestaltung den Vorrang geben.
So haben die weitgefächerten Systemkritiken selbst wieder
System und sind nach analytischer Zerlegung in legosteinhafte
Einzelteile wieder Grundbestandteil eines positivistischen Weltbilds.
Dabei geht Jens Ossada den bewussten Weg durchs Material, in einer Zeit
erzwungener und gespielter Transzendenz durchaus keine
Selbstverständlichkeit.
So spricht das Material ebenso wie die eigenständig dazu
stehenden Texte "vom Umbau des Wesentlichen" und bauen dabei das
Wesentliche wesentlich um." Mike Wassermann 10/2005
Pressestimme
Aus
den Tiefen des Seins
Werke von Jens Ossada und Michael Goller in der Galerie am
Anger
Flöha. Eine „autochronologische
Obduktion“ war zu Ausstellungseröffnung am
Freitagabend in der Galerie am Anger angekündigt und dazu gabs
in der Einladungskarte einen Gummihandschuh. Doch wer
Blutrünstiges vermutete, war auf dem Holzweg: Er
versinnbildlichte lediglich den einzigen gemeinsamen Text der beiden
Künstler Jens Ossada und Michael Goller, den sie an diesem
Abend im Wechselspiel unterm Gebälk der alten Weberschen
Fabrik lasen – „Der Handschuh“.
Doch auch ohne Handschuh drangen sie mit ihrer „dialogischen
Lesung“ ins Innere des Menschen vor. Denn wer eigene Lyrik
liest – und das taten der Mittweidaer und der Chemnitzer
– der kehrt gewissermaßen sein Innerstes nach
außen, zumal, wenn es solche Lyrik ist, die eigenen
Befindlichkeiten in der Reibung mit der Außenwelt
nachspürt und das in äußerst verknappter
Form, voller Bildern, deren Sinn sich dem Außenstehenden beim
einmaligen Hören nur schwer erschließt. Aber
schließlich sind die Autoren Maler – von Michael
Goller kommt in diesem Monat der
„Weltrettungsthriller“ „Das
Malbuch“ heraus.
Zu sehen gab es in der Ausstellung neueste Werke:
hintergründige große Holzskulpturen von Ossada,
Ölbilder und Zeichnungen von Goller. Und gerade auf denen
spielt Schrift eine wichtige Rolle: rätselhaft, lasziv,
verwirrend. Schade nur, dass die Ausstellung nur ein Wochenende zu
sehen war. Denn es braucht oft Zeit, um den Schlüssel zu den
Werken zu finden.
(Gudrun Frohmader, Freie Presse)
