
© Foto: Privat
Malfront: „ Gründe eine Ausstellung so zu
nennen“
"Nein heute ist nicht Freitag.
Ich habe einen Teil meines Wochenendeinkaufes vorgezogen.
Sie kennen das sicherlich, immer freitags abends zieht Frau und Mann
los.
Meine Frau und ich, wir sind noch nicht so lange zusammen, haben bei
einem solchen Freitagseinkauf festgestellt, das es mit uns beiden gut
klappt. Das mit dem Einkaufen.
Zwischen den Regalen des Discounts sehe ich dann all die Leute wieder,
den ich auch sonst gelegentlich in der Stadt begegne. Eine bekannte
Gewerkschaftlerin, den Bankangestellten meiner Bank, ehemaligen
Schulfreunde samt Kinder, Enkel und Urenkel..... .
An den Wühltischen mit den Sonderangeboten verweilen wir
meistens länger und da finden dann auch die längeren
Gespräche statt.
Wenn wir dann zu Hause auspacken, staunen wir dann doch was wir
für die „schlappen“ vierzig Euro alles
zusammenbekommen haben.
Vor Jahren kam in einer Wirtschaftsendung immer der „
deutsche Warenkorb“ und da wurde immer gezeigt was Frau/Mann
für 100 (damals noch) Mark im Warenkorb hat.
Ich weiß nicht ob es z.Z. eine solche Aufrechnung noch gibt.
Der Trend geht wohl in die Richtung: .... „es lebe billig
„!!!
Mir ist es schon passiert.. das ich angesichts des Wocheneinkaufes das
„es“ mit „ich“ ersetzt habe und
damit ging es mir nicht gut.
Aber noch einmal kurz zurück an die Kasse des Discount -
Marktes.
Ich bin in dieser Stadt geboren und aufgewachsen und es
gehörte früher zu einer der Übungen meines
„Über - Ichs „ mich gelegentlich
anzufragen “wo stehst Du ?“
bzw. ich zitiere ein Lied aus vergangenen Zeiten: „ sag mir
wo Du stehst....“
An der Kasse jedenfalls, umringt von mir mehr oder weniger bekannten
Leuten, frage ich mich dann schon mal...stehe ich eigentlich richtig
hier und will ich das so... und.. habe ich eine Wahl.?
Der Mark und sein Treiben beherrscht also wenigstens einmal in der
Woche mein ganzen Sinne, aber auch sonst verfolgt er mich bis in meinen
Postkasten, er schaltet sich in die Sender ein, die sehe und
höre, und zwingt mir irgendwelche
„Ohrwürmer“ auf, die ich eine Woche lang
nicht loswerden.
Ich denke dann schon öfters mal über
„Grenzziehung“ „Abschottung“
nach und wie man denn da „frontal“ dagegen
ankämpfen kann!
Der Kleber am Postkasten, der Wahl eines Kultursenders oder eines
Bildungskanals bringen nur vorübergehende Linderung.
Vor einigen Jahren begann ich Ausstellungen in einen kleinen aber sehr familiären Rahmen zu organisieren und durchzuführen.
Vordergründiges Anliegen war es jungen Künstlern eine
Ausstellungsmöglichkeit zu bieten und verschiedene Menschen,
unterschiedlichster Herkunft zusammenzubringen. Dabei entstanden
sozusagen „nebenbei“ viele
Bekanntschaften/Freundschaften zu den unterschiedlichsten Menschen.
Immer wieder mußte ich zu meinen freudigen Erstaunen
feststellen, welche unterschiedlichen Lebensentwürfe und
Lebenswelten es doch gibt und wie viele Menschen doch auch einen
eigene, phantasievollen und kreativen Weg beschritten haben, um sich
von einem immer rationaler werdenden Alltagsschehen nicht verschlingen
zu lassen. So gesehen leisten sie „Widerstand“, sie
glauben an Kräfte und Werte die in den einschlägigen
Katalogen nicht angeboten werden, die nicht in den
wöchentlichen
„Schnäppchenangeboten“ zu finden sind und
die Frau/Mann in den wenigsten Fällen „steuerlich
absetzen“ können.
Michael und Peter haben beide, in der kleinen Galerie die ich hatte
ausgestellt und dort haben wir uns kennengelernt,
Peter P. ist Jahrgang.81 und Michael ist .1974.. geboren. Bei beiden
viel mir auf, das keiner in den “Windschatten“
anderer, bekannterer Chemnitzer Maler getreten war..., sie kannten sie
auch zum Teil gar nicht.
Für mich zeigte das, das auch unter dem Eindruck.. „
es ist alles schon gesagt und gemalt..“ dennoch immer wieder
neue, künstlerische Ideen entstehen und umgesetzt werden
können !
Dazu muß Mann nicht eine Kuh über ein
Fabrikgebäude zersprengen, literweise Blut über eine
Theaterbühne kippen oder nackt 100 Kohlköpfe
zerhacken.

© Foto: Dirk Hanus
Die beide Künstler
führen.. lassen sie mich es so formulieren.. einen
konsequenten Kampf gegen die Banalität unser
Alltagsgeschäfte, sie drängen mit ihren Aktionen nach
und nach in unser Bewußtsein.
Sie rücken vor, gegen „Klassenschlager“
und reines Zweckdenken.
Vielleicht gelingt es auch diesen jungen Künstlern, auch in
den eigenen zu mobilisieren.
Das täte Not ,..den das verschwinden von Kunst und
Künstler in und zwischen den Regalen der Supermärkte,
das Ausbleiben von guter Musik , guten Filmen, Theaterstücken
macht letztendlich unser aller Leben öder und perspektivloser.
Ich arbeite als Sozialpädagoge tagtäglich mit jungen
Menschen zusammen. Viele von ihnen haben schon mit 15 - 16 aufgegeben ,
an so etwas wie „Individualisierung“ zu glauben
geschweige daran zu arbeiten.
Ihre Ziele drehen sich schlicht und ergreifend um eben diesen
„Warenkorb“ die wenigsten kommen auf den Gedanken,
ein solch statistisches Maß für ihren kulturellen
Bedarf einzufordern.
Meine Damen und Herren, anläßlich dieser Ausstellung
möchte ich uns in Erinnerung rufen, das der Mensch eben nicht
nur von Brot allein lebt. Wenn die leiblichen Bedürfnisse
gestillt sind.. setzt zu meist eine Sehnsucht nach der
Berührung mit den feineren Sinnen unseres Lebens ein. Wir
sollten nicht tatenlos zusehen wie die Auseinandersetzung mit Malerei,
plastischen Arbeiten, Musik. Tanz und Theater für jeden
Menschen, dadurch den Verfall preisgegeben wird, weil man gebannt auf
die Preise an der Zapfsäule starrt.
Wenn ( wie am Wochenende) ein Politikwechsel gefordert wird, dann
sollte auch sollte auch darauf geschaut werden .. bei welchen Werte,
werden wir um Verzicht und Sparsamkeit angehalten und was gilt es
letztendlich zu gewinnen. So gesehen kann Mann in dieser
Auseinandersetzung um Werte heute schon auch von einem
Aufeinanderprallen von Fronten sprechen.
Was diesen Warenkorb anbetrifft...denke ich so in die Richtung wie der
Musiker David Byrnes doppelsinnig sein neues Album „ groing
backwarts“ genannt hat.freiübersetzt heißt
das etwa: „ Zurück - wachsen“.
Darin steckt für mich sowohl das
„Zurückgehen“, und
„Rückbesinnen“ als auch Wachstum.
Wenn es uns gelingt unsere Ansprüche auf ein
verträgliches Maß herabzusetzen , gewinnen wir ganz
bestimmt ... andere : Lebens - Qualitäten !.
Ich persönlich möchte jetzt und hier beginnen meinen
Warenkorb zu ergänzen, mit einem Plakat der
Künstlergruppe „Malfront“.
Ich wünsche der Ausstellung und ihren Protagonisten viel
Erfolg."
Peter F. Fiebig 4/2004
Begrüßung durch den Regierungsvizepräsidenten Christian Wehner:
"...Malfront – hinter dem Titel steht eine noch junge unabhängige
Künstlerinitiative, die von den Malern Michael Goller aus Chemnitz und
Peter Piek aus Leipzig am 31.08.2003 gegründet wurde.
4 – die Zahl steht für die nunmehr vierte
Malfront-Ausstellung und wir freuen uns besonders, diese hier im
Regierungspräsidium Chemnitz präsentieren zu
können.
Untrockne Bilder – nun, meine Damen und Herren, urteilen sie
selbst…
Bereits mit der Gründungsausstellung
„Schöne Grüße von der
Malfront“ im Chemnitzer Atelier setzten sie Akzente, weitere
Aktionen wie das „Fußbild“, die
„Dunkelbilder“ folgten.
Anm.: Die Dokumentation der Gründungsausstellung durch den Fotografen Dirk Hanus ist Teil dieser Ausstellung
Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht nur auf
temporäre Ereignisse, die Künstler arbeiten an
bestimmten Themen in einem „Malfront-Studium“,
welches vierteljährlich nach Quartestern eingeteilt ist. Das
erste Quartester des Jahres beschäftigte sich mit
Hässlichkeit als Bildprinzip. Hier geht es darum,
schematisierte Wahrnehmungen aufzubrechen. Viele der ausgestellten
Arbeiten sind Ergebnisse dieser Auseinandersetzung.
Malfront entwickelt sich zum Künstlernetzwerk. So freuen wir uns, hier
als Gastkünstler mit präsentieren zu können: Uta Schotten aus Köln und
Henning Straßburger aus Offenbach.
…"