Malerei und Zeichnung

Erzhammer Annaberg-Buchholz 12.5. - 24.6. 2001

einladung Laudatio:
von Michael Knauth, Bildender Künstler (Ehrenfriedersdorf)

Ich begrüße die hier anwesenden Künstler, Kunstinteressierte, Freunde und Neugierige zur Ausstellungseröffnung - Michael Goller Malerei und Zeichnungen-. Es freut mich, dass der Künstler Herr Michael Goller anwesend ist.

Das Erzgebirge war bislang ein weißer Fleck auf der Karte der Ausstellungen von Herrn Goller. Er stellt das erste mal einige seiner Werke in Annaberg /Buchholz aus. Die Region um Annaberg ist durchaus ein künstlerischer Nährboden , das haben uns u.a. Carlfriedrich Claus, Elisabeth Ahnert , Karl Heinz Westenburger und Hans Brockhage bewiesen. Michael selbst kommt aus Chemnitz, wo die Künstlerdichte sehr eng ist. Es spricht für die Qualität seiner Bilder, dass er in seiner Heimatstadt zu einem der wichtigsten jungen Künstlern zählt. 
Er ist nicht nur durch seine Ölmalereien und Zeichnungen aufgefallen, sonder auch durch Kunstevents .Ich denke da speziell an die Inszenierung von “die Vier Elemente”, wo Videoinstallation, Modedesign, Musik und Malerei zusammenspielten. Die Uraufführung war 1999 im Chemnitzer Bürgerhaus. Wir sehen (~) die Doppelbilder auf Papier mit den Titeln “Wasser-Luft , Wasser-Erde, Luft- Feuer, Erde-Feuer, Wasser-Feuer und Luft- Erde,” die einen wesentlichsten Teil aus diesem Zyklus ausmachen. 
Auch von ihm mit inszenierten Performance, bei einigen seiner Ausstellungen sorgten für Aufsehen. Die Aussage und die Reaktionen der Besucher standen hier im Mittelpunkt . Die Gäste selbst waren dabei Bestandteil eines Experimentes, wodurch die Grenzen der normalen Bildbetrachtung bewusst überschritten wurden. 

Michael Knauth, Michael Goller und Christian Gersdorf (v.l.)Kennen gelernt habe ich Michael 1998 in der Galerie Weise. Er wurde mir schon damals als “einer der Neuen” vorgestellt. Bei meinen späteren Atelierbesuchen in Frankenberg und Chemnitz bekam ich auch Einblick in sein Wesen und seine Arbeitsweise, die von den Ereignissen in seinem Umfeld, persönlicher Tatendrang und fast spiritueller Herangehensweise geprägt ist. Seine Bilder entstehen nicht aus dem Bauch heraus, sondern sind in einem Entstehungsschema eingebettet. Es beginnt mit Bleistiftzeichnungen und kleinen Pastellkreide-Skizzen in eines seiner Entwurfsbücher. Beim Zeichnen geht es ihm um die Form und um die Idee, die dann das erste Mal sichtbar werden. Die Skizzen entstehen in einem sehr kreativen und meist unpassendem Augenblick und werden dann später, manchmal erst nach Jahren umgesetzt. Diese Vorgehensweise schließt auch ein immerwährendes Arbeiten am Motiv nicht aus, was ein typisches Merkmal der so genannten offenen Malerei ist, die sich nicht rückwärts-, sondern vorwärts gerichtet gibt. Bei der weiteren Beschäftigung mit dem Thema kommen dann auch hin und wieder Naturskizzen hinzu. Ergebnisse solcher Arbeiten sehen wir als Schwerpunkt dieser Ausstellung. Entwürfe für die "Landschaften" die wir (~) sehen, entstanden ausnahmslos in den Wäldern des Erzgebirges, in denen sich der Künstler oft aufhält, um vor allen neue Inspirationen , doch auch Abstand von der Stadt und von ihm so geschätzten Medienwelt, zu bekommen. 

Die Ausstellung wurde besonders von jungem Publikum gut besucht.Die 2,10m langen Friese im Eingangbereich tragen die Titel “Intersolare Kommunikation und Interlunare Kommunikation“. Sie entstanden in ein und demselben Schaffenszeitraum. Sonne und Mond bilden in den Bildern das Komplementäre, was auch durch die Skale der warmen und kalten Farben zum Ausdruck kommt. Durch die Gegensätzlichkeit der beiden dargestellten Inhalte, die sich in Zwiesprache befinden, kann man von Kommunikation sprechen. Die großen Figurenbilder im Treppenhaus haben einen visuell- realistischen Ausgangspunkt, der von kleinen Tonfiguren herrührt, die sich überall in seiner Wohnung und im Atelier wiederfinden. Die Textfragmente in den 1,6m x 1,25m großen Bilder dienen dem Verständlichmachen seines bildhaften Denkens. Die Schrift in seinen Bildern hat nicht die Aufgabe des Erklärens, sondern steht als gleichberechtigtes Medium im Bild und dient der Vernetzung und Kommunikation der Inhalte. 

Ich finde diese Ausstellung bietet die Möglichkeit, sich mit den Bildern und der Kunst des Herrn Gollers auseinander zusetzen. Wenn sie die Möglichkeit haben, kommen sie einfach öfters in diese Ausstellung und sie werden die Bilder für sich immer wieder neu entdecken. Am Anfang fragt man sich, was will der Künstler uns damit sagen? Aber mit der Zeit werden sie zu einem eigenen Bild in ihrer Fantasie inspiriert, was immer neu und aktuell sein wird . Michael Goller malt seine Ideen mit Farbe auf Leinwand und wir malen mit seinen Bilder virtuell uns ein eigenes Bild. Ich wünsche ihnen noch viel Spaß in der Ausstellung und eine Inspirative Kommunikation.

Michael Knauth, 5/2001

intersolare kommunikation

Intersolare Kommunikation
2000, Öl auf Leinwand, 65 x 210 cm
Privatbesitz