Laudatio:
von Michael Knauth, Bildender Künstler
(Ehrenfriedersdorf)
Ich begrüße die hier anwesenden Künstler, Kunstinteressierte, Freunde und Neugierige zur Ausstellungseröffnung - Michael Goller Malerei und Zeichnungen-. Es freut mich, dass der Künstler Herr Michael Goller anwesend ist.
Das Erzgebirge war bislang ein weißer Fleck auf der Karte der
Ausstellungen von Herrn Goller. Er stellt das erste mal einige seiner
Werke in Annaberg /Buchholz aus.
Die Region um Annaberg ist durchaus ein künstlerischer
Nährboden , das haben uns u.a. Carlfriedrich Claus, Elisabeth
Ahnert , Karl Heinz Westenburger und Hans Brockhage bewiesen. Michael
selbst kommt aus Chemnitz, wo die Künstlerdichte sehr eng ist.
Es spricht für die Qualität seiner Bilder, dass er in
seiner Heimatstadt zu einem der wichtigsten jungen Künstlern
zählt.
Er ist nicht nur durch seine Ölmalereien und Zeichnungen
aufgefallen, sonder auch durch Kunstevents .Ich denke da speziell an
die Inszenierung von “die Vier Elemente”, wo
Videoinstallation, Modedesign, Musik und Malerei zusammenspielten. Die
Uraufführung war 1999 im Chemnitzer Bürgerhaus. Wir
sehen (~) die Doppelbilder auf Papier mit den Titeln “Wasser-Luft
,
Wasser-Erde,
Luft-
Feuer, Erde-Feuer,
Wasser-Feuer
und
Luft- Erde,”
die einen wesentlichsten Teil aus diesem Zyklus ausmachen.
Auch von ihm mit inszenierten Performance,
bei einigen seiner Ausstellungen sorgten für Aufsehen. Die
Aussage und die Reaktionen der Besucher standen hier im Mittelpunkt .
Die Gäste selbst waren dabei Bestandteil eines Experimentes,
wodurch die Grenzen der normalen Bildbetrachtung bewusst
überschritten wurden.
Kennen
gelernt habe ich Michael 1998 in der Galerie Weise. Er wurde mir schon
damals als “einer der Neuen” vorgestellt. Bei
meinen späteren Atelierbesuchen in Frankenberg und Chemnitz
bekam ich auch Einblick in sein Wesen und seine Arbeitsweise,
die von den Ereignissen in seinem Umfeld, persönlicher
Tatendrang und fast spiritueller Herangehensweise geprägt ist.
Seine Bilder entstehen nicht aus dem Bauch heraus, sondern sind in
einem Entstehungsschema eingebettet. Es beginnt mit
Bleistiftzeichnungen und kleinen Pastellkreide-Skizzen in eines seiner
Entwurfsbücher. Beim Zeichnen geht es ihm um die Form und um
die Idee, die dann das erste Mal sichtbar werden. Die Skizzen entstehen
in einem sehr kreativen und meist unpassendem Augenblick und werden
dann später, manchmal erst nach Jahren umgesetzt. Diese
Vorgehensweise schließt auch ein immerwährendes
Arbeiten am Motiv nicht aus, was ein typisches Merkmal der so genannten
offenen Malerei ist, die sich nicht rückwärts-,
sondern vorwärts gerichtet gibt. Bei der weiteren
Beschäftigung mit dem Thema kommen dann auch hin und wieder
Naturskizzen hinzu. Ergebnisse solcher Arbeiten sehen wir als
Schwerpunkt dieser Ausstellung. Entwürfe für die
"Landschaften" die wir (~) sehen, entstanden ausnahmslos in den
Wäldern des Erzgebirges, in denen sich der Künstler
oft aufhält, um vor allen neue Inspirationen , doch auch
Abstand von der Stadt und von ihm so geschätzten Medienwelt,
zu bekommen.
Die
2,10m langen Friese im Eingangbereich tragen die Titel “Intersolare
Kommunikation und
Interlunare
Kommunikation“. Sie entstanden in ein und demselben
Schaffenszeitraum. Sonne und Mond bilden in den Bildern das
Komplementäre, was auch durch die Skale der warmen und kalten
Farben zum Ausdruck kommt. Durch die Gegensätzlichkeit der
beiden dargestellten Inhalte, die sich in Zwiesprache befinden, kann
man von Kommunikation sprechen.
Die großen Figurenbilder im Treppenhaus haben einen visuell-
realistischen Ausgangspunkt, der von kleinen Tonfiguren
herrührt, die sich überall in seiner Wohnung und im
Atelier wiederfinden. Die Textfragmente in den 1,6m x 1,25m
großen Bilder dienen dem Verständlichmachen seines
bildhaften Denkens. Die Schrift in seinen Bildern hat nicht die Aufgabe
des Erklärens, sondern steht als gleichberechtigtes Medium im
Bild und dient der Vernetzung und Kommunikation der Inhalte.
Ich finde diese Ausstellung bietet die Möglichkeit, sich mit den Bildern und der Kunst des Herrn Gollers auseinander zusetzen. Wenn sie die Möglichkeit haben, kommen sie einfach öfters in diese Ausstellung und sie werden die Bilder für sich immer wieder neu entdecken. Am Anfang fragt man sich, was will der Künstler uns damit sagen? Aber mit der Zeit werden sie zu einem eigenen Bild in ihrer Fantasie inspiriert, was immer neu und aktuell sein wird . Michael Goller malt seine Ideen mit Farbe auf Leinwand und wir malen mit seinen Bilder virtuell uns ein eigenes Bild. Ich wünsche ihnen noch viel Spaß in der Ausstellung und eine Inspirative Kommunikation.
Michael Knauth, 5/2001
Intersolare Kommunikation
2000, Öl auf Leinwand, 65 x 210 cm
Privatbesitz