
Laudatio:
Die Welt der Symbole, der Piktogramme umgibt uns. Jeden Tag lesen wir Schrift in unterschiedlichster Art und Weise, ob in der Tagespresse, in der Werbung oder auf Plakaten, sie spricht uns an oder auch nicht. Wir gehen an ihr vorüber, wir beachten sie oft kaum, weil wir sie schon kennen, meinen wir jedenfalls. Aber wir kommunizieren mit ihr, ob wir es wollen oder nicht. Das vereinfachte Piktogramm gibt oft das wieder, was wir schon kennen. Oft ist es das kleine grüne Männchen an der Ampel, was uns sagt, wir können jetzt die Straße überqueren. Die Signalfarbe Rot, das Ampelmännchen mit den ausgestreckten Armen sagt uns - Vorsicht, Straße nicht überqueren. Diese Bilder kennen wir schon aus der Kindheit, wir sind mit ihnen aufgewachsen, sie gehören zu uns, zu unsrer Umwelt. Aber solche Symbole und Zeichen sind - und das wissen wir oft nicht - schon sehr alt. Symbolische Zeichen und Figuren waren Teil des Lebens der Menschen vor 2000, 4000 oder 10000 Jahren. Von Schamanen, Visionären an Wände von Höhlen geritzt oder gemalt, es lag viel Mystik in ihnen. Sie gehörten zum Kult der Stämme oder Sippen. Man versuchte mit ihnen die Götter anzurufen, in ihnen auch die Götter zu sehen. Menschen, Häuser, Boote oder Spiralen wurden als mythisch gedeutet. In ihnen lagen Bedeutungen wie Geburt, Leben, Jagd oder Tod. Die tausendfache Wiederholung dieser Zeichen im Laufe der Zeit führte zu regelrechten Formelzeichen, die später auch Buchstaben wie A oder B erzeugten. So konnte sich hinter A ein Stier oder hinter B ein Haus verbergen. Zeichen, die den Eingang in die Formensprache der modernen Kunst auch im letzten Jahr des 2. Jahrtausends bei Michael Goller fanden. Die Aufnahme von Zeichen und Symbolen in der bildenden Kunst ist schon seit Anbeginn der Malerei zu sehen. Besonders im 20. Jahrhundert aber spielen sie wieder eine besondere Rolle in der Kunst. Altes Wissen wird damit immer wieder aktualisiert. Es haben sich die Zeiten geändert, wohl aber nicht die Bedeutung von alten archaischen Symbolen, wie uns Michael Goller auch in seinen Arbeiten zeigt. Der Medien-Designer wurde 1974 in Chemnitz geboren. In seinen Arbeiten zeigt er uns zu einen die alten Zeichen und Symbole, wie Spirale, Pfeil oder Linien, aber auch neue Symbole und Zeichen eines modernen Zeitgeistes. Im expressiven Gestus in Farben und Formen scheint er die Farbe geradezu pastos aufgetragen zu haben. Es entstehen Bewegungen, Gegenbewegungen, ein Chaos auf der Leinwand, das wieder zu einer Ordnung geführt wird in seinen Bildern, die angefüllt sind Schrift und Zeichen. Im Bild "Steigen
und Fällt" wird man sich bewusst, was menschliches
Leben ausmacht. Das Fallen zum Tod und das Steigen, das Hineinsteigen
in das Leben, das mit der Geburt beginnt. Das Werden und Vergehen, in
schwarzen archaischen Piktogrammen leuchten seine Figuren aus dem Bild.
In der Mitte eine Graffitisprühdose, eine Aufnahme eines
Symbols und Zeichen der Gegenwart. Der moderne Mensch, der sich der
alten Symbole bedient. Was sind nun seine Zeichen und Symbole. Sie
dienen der Kommunikation. Eine Kommunikation zwischen den Menschen, die
gestört sein kann wie zum Beispiel auf dem Bild "Gegenaussage".
Wie ein Wirbel von Farben erscheint etwas Figuratives auf dem Bild.
Lässt eine gestörte Kommunikation erzeugen. Das "Zimmer mit
Kopf" zeigt zwei Köpfe. Sie sind hintereinander
gelegt, sehen sich nicht, es scheint keine Kommunikation zwischen
beiden zu bestehen. Ganz anders aber die Arbeit mit dem Schiff
in der unteren Etage. Ein altes archaisches Zeichen für
Schiff, ein Bogen, über dem ein Mensch schwebt. Daneben eine
Schlang von Menschen, die den Toten? begleitet. Sinnbild für
Frieden und Eintracht? Vielleicht funktioniert dort die Kommunikation.
Gollers Vision vom Leben zeigt er in seinen Arbeiten. Immer wieder
tritt die Spirale auf, wie ein Mond, der regelmäßige
Phasen hat, die entschwinden und wiederkehren. Eine
Beziehung von Leben und Tod wird gezeigt, wenn es direkt mit seinen
Bildtiteln
wie Leben solches direkt in der Form der Schrift zeigt. Es ist Schrift,
oder
zuweilen Wortfetzen, die nicht gleich lesbar sind, erst bei der
Kommunikation
mit dem Bild, sich dem Betrachter erschließen. Diese Zeichen
ergeben in seinen
Arbeiten einen starken Kontrast. Teilweise sind sie in die Haut der
Leinwand
geritzt und man denkt an die alten Ritzzeichen an Wände der
Höhlen. Oder an
das moderne Graffiti, an moderne Zeichen, die in Wände geritzt
werden. Manchmal sind es auch Hände, die in das bild greifen,
vielleicht den Betrachter ermahnen, wie einst die Darstellungen der
Hand Gottes.
Der
neue Zeitgeist, der Geist der Technik wird besonders in seiner Malerei
gezeigt,
wo er technische Gegenstände mit in sein Bild hineinbaut. Der
Kreis, der
Lebenskreis des Menschen des 21. Jahrhunderts wird bestimmt von Spulen,
Leiterplatten, darauf baut wohl die Kommunikation der Menschen.
Über Technik
wird sich verständigt. So funktioniert Kommunikation. Neue
Symbole, scheinen
mehr und mehr die alten zu verdrängen, dacht ich, als ich mich
mit dieser
Arbeit beschäftigte. Aber der Kreis des Lebens dreht sich
weiter und weiter.
Neues wird mit alten kombiniert und wir zum neuen Zeichen. Entdecken
Sie, liebe
Kunstfreunde, die archaischen Zeichen, die Wirkung von Farben und
Formen in dem
Werk von Michael Goller.
Diana Henkel, Kunstpädagogin, Erfurt, 2/2000
Bild des Lebens
1999, Öl auf Leinwand, 66 x 80 cm
Sammlung Sparkasse Vogtland