Säulenspiegel

Atelier Matthesstraße 1.9.2000

Info:

Im Gang, der Teil der Ausstellung war, spielte die Band. Im grünlichen Neonlicht waren Stillleben und Köpfe von Goller sowie die Fotokunst von Michael Knauth ausgestellt.Unter dem Sinnbild "Säulenspiegel" öffnen sich am Freitag, dem 1. September 2000 um 20 Uhr für wenige Stunden die Türen zum Atelier des Chemnitzer Künstlers Michael Goller auf der Matthesstraße 91. Im Rahmen einer Performance präsentiert der freischaffende Maler und Grafiker während dieser Sonderausstellung eine einmalige Gesamt-Dokumentation ausgewählter Bilder und Objekte, die seit dem Einzug in das Dachgeschoss der dort ansässigen Maschinenbaufabrik* entstanden sind.
"Die authentische Atmosphäre des Fabrikgebäudes hat mich innerhalb meiner jetzigen Schaffensperiode besonders inspiriert", resümiert der Lehrbeauftragte für Mediendesign an der Hochschule Mittweida. 
Nach seinem Wunsch will er aber auch die Besucher mit einbeziehen. Aus dieser Vorstellung heraus wurde schließlich die Idee zu einer etwas außergewöhnlichen Vernissage - einem Wechselspiel emotionaler Impressionen und den ausgestellten Kunstwerken - geboren.
Der Titel der umfangreichen Exposition bezieht sich unter anderem auf die symbolträchtige Verknüpfung seiner pastos-expressiven Malweise mit dem kommunikativen Gedankenkonstrukt einer gemeinsamen Wirklichkeit im Einklang mit vertikal-räumlich betonten Säulen. Die Reflexivität von Information, Wissen und Meinen in unserer heutigen Informations- und Mediengesellschaft spiegelt sich nicht rein zufällig auch in seinen Hauptwerken "intersolare- sowie interlunare Kommunikation" wider. Hierbei bleibt durch die luminöse Farbwirkung dennoch der intersubjektive Aspekt zur medialen Wahrnehmung - welche durch die wachsende Skepsis einer flächendeckenden, operativen Fiktion geprägt ist - stets gewahrt.
Der Künstler, selbst Absolvent eines neuzeitlichen, multimedialen Studiums, gilt trotz seiner Bewunderung für die modernen Medien als leidenschaftlicher Maler. Innerhalb der strukturellen Verbindungen von Schrift und Bild, die der Künstler in zahlreichen Werken anstrebt, spielen besonders diese ausgeprägten Wechselwirkungen - ja mitunter sogar als kreativ einzustufenden Einflussgrößen des doch allzu oft befremdenden Miteinanders durch die kommunikative Vernetzung eine wesentliche Rolle. Die Überwindung solch räumlicher Vertiefungen und geheimnisvoller Distanzen in unserer Geiststruktur will der Chemnitzer mit Hilfe eines teilweise übersteigert-pastosen Farbduktus sowie einer pulsierenden Transformation von konkreten Zeichen in eine Metaebene des ungestörten Informationsflusses erreichen.
Dabei ist das Ergebnis beim Betrachter äußerst individuell einzustufen, da jeder Mensch oder auch Rezipient die Realität ganz unterschiedlich aufnimmt, verändert und in Frage stellt. Ziel soll es aber in jedem Falle sein, durch die hervorstechende Dialektik in Michael Gollers Werken einen zielgerichteten dynamischen Prozess in Gang zu setzen, der eine progressive Bündelung von visuellen Parametern bis hin zu einer kommunikativ bedingten Wertigkeit bewirkt - die im rhythmischen Wechsel von Bewegung und Stillstand auch Rückfragen oder vielleicht sogar eine inhaltliche Diskussion möglich machen soll.
Vernissage am 1.9.2000 mit Musik von Alexander Lörinczy, git. (Dolly's Meat) und Matthias Krieg, git. (Quisy Sana)

Christian-H v Gehe, 8/2000

Der Schauspieler Thomas Schmieder wärend der Performance.Interlunare und Intersolare Kommunikation

Eine Interpretation von Heika Grafe

Die beiden Bilder sind jeweils 65 cm hoch und 210 cm breit und tragen die Titel Intersolare Kommunikation und Interlunare Kommunikation. Sie entstanden in einer für Michael typischen Technik, pastose Ölmalerei auf Leinwand. Den Ausgangspunkt für diese Werke bilden Gedanken, die er im Vorfeld durch Studien und erste Konzepte ab 1999 entwickelte. Michael arbeitete weiter daran von Februar bis Ende Mai 2000 in seinem Atelier, Matthesstraße in Chemnitz. Das Bildpaar entstand in ein- und- derselben Schaffensperiode und bietet eine gute Lesbarkeit für den Betrachter durch die Breitformate. Trotz der gründlichen und gut durchdachten Vorbereitung ist Michael während des Schaffensprozesses spontan und emotional geblieben.
Sonne und Mond bilden Gegensätze, aber jedes der zwei Arbeiten spricht in sich und für sich eine eigene Sprache. Die Sonne ist ein aus sich selbst leuchtender Himmelskörper im Gegensatz zum Mond, der nur gesehen werden kann, wenn er von der Sonne beschienen wird, dargestellt als relativ abstrakter Sachverhalt.
Im Kommunikationsprozess werden Zeichen abgegeben, transportiert, aufgenommen und überprüft, inwieweit die eingegebene Bedeutung mit der Aufgenommenen übereinstimmt. Dabei spielen Michaels einzelne Textfragmente im Bild eine große Rolle. Indirekt halten beide Werke Zwiesprache, vergleichbar mit zwei Polen. Eines davon bildet das Negativ, das andere das Positiv, was durch den Komplementärkontrast von Rot und Grün verstärkt wird. Jedoch durch die Formensprache wirken sie gelöst und unabhängig voneinander und stellen somit in sich geschlossene Einheiten dar.
Die Besucher der Austellung waren mit den Bildern und Objekten am Ursprungsort der Entstehung konfrontiert. Einleitende und ausführende Elemente in den querformatigen Bildern sind Äquivalente zu Exposition und Präposition eines Schriftwerkes. Im Zentrum stehen die blick-führenden Objekte, so dass die bildlichen Darstellungen von links nach rechts lesbar werden. Die Struktur der Fläche steht im Verhältnis zu der des verformten Elements, dennoch ist eine Komplexität über Farbe, Form und Reihung vorherrschend. Dabei ist die Bewegung und der Gestus zu beachten. Die Farbsymbolik tritt hierbei in den Hintergrund.
Das Bild, welches als Interlunare Kommunikation benannt ist, tritt visuell in Erscheinung mit einem dunklen Grund aus dem die Figuren hell hervorleuchten - eingebettet in eine progressive Aufhellung des Grüntons, vergleichbar mit dem Mond, der von der Sonne angestrahlt wird, selbst aber ein dunkler Himmelskörper ist. Von ihm geht eine subtile Kühle aus, spürbar für den Betrachter.
Das Gegenstück mit dem Titel Intersolare Kommunikation wirkt wärmer durch den in Rot gehaltenen Hintergrund, der zentral heller wird. Das abgedunkelte Rot übernimmt eine Rahmenfunktion, diesmal zu vergleichen mit dem endlosen Universum, in dem die Sonne leuchtet. Hierbei treten die Bildobjekte ebenfalls hell hervor und grenzen sich deutlich vom Hintergrund ab.
Der Zusammenhang von Elementen verschiedener Form und Größe mit mono-chromatischer Tendenz ist hier im räumlichen Kontext als Kontrast zur farbigen Fläche zu sehen, wobei der Duktus eine bedeutende Stellung übernimmt. In den Figuren findet sich als Schwerpunkt die sie umgebende Farbe wieder. Es besteht eine wahrnehmbare Sprache der Bildelemente untereinander durch ihre Bewegung und ihren Rhythmus. Sie kommunizieren miteinander.

Michael Knauth - Lichtskulptur/Fotographie
"In Ewigkeit bleibt alles bis es fällt"


Der Konzeptkünstler Michael Knauth (geb.1974) entwickelte in direkter Kommunikation mit ausgewählten Personen das Projekt unter dem Titel "In Ewigkeit bleibt alles bis es fällt". Die Aufnahmen der Lichtskulptur als Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem Gedicht "Entree" von Hanns Graaf (Berlin) entstanden im Frühjahr 2000 in Gollers Atelier in der Matthesstraße. 
Für Michael Knauth spielen das Glas wie auch der menschliche Körper eine ebenso wichtige Rolle wie das, was an Inhalten übermittelt werden soll. In die Ausstellung "Säulenspiegel" sind die großformatigen Umsetzungen auf Film eingebunden.

Fotoarbeit von Michael Knauth   Fotoarbeit von Michael Knauth

Entree

Was wollt ihr hier? Was hat euch grad zu mir verschlagen?
Seid ihr von Welterklärern nicht bedient?
Der Zeiten Gang schlägt unverdaut uns auf den Magen.
Wißt : wenn es um den Kopf geht, geht es um den Kragen,
Sind Orden oder Narben schnell verdient.

Soll ich euch maln ein Weltbild für den Wechselrahmen?
Sucht ihr nach paßgerechten Idealn?
Ein Notausgang fürs Publikum nach all den Dramen?
Oh blinde Hoffnung, die wir stets umsonst bekamen.
Doch wer auf mich hört, muß dafür bezahln.

Historia verkehrt noch auf den alten Trassen.
Ob künftig dieser Weg den Wagen trägt?
Sagt, wollt ihr die Geschichte einfach fahren lassen?
Und bleibet hocken? Wollt nicht in die Speichen fassen
Dem Karren, der uns in den Abgrund schlägt?

Habt ihrs euch überlegt? Wollt ihr noch länger bleiben?
Saal, in dieser engen, dunklen Welt?
Von meinem Singen zittern nicht die Fensterscheiben.
Was ich umschreib, das ist nicht einfach umzuschreiben.
In Ewigkeit bleibt alles, bis es fällt.

Hanns Graaf

abbildmanie

Abbildmanie
2000, Säulenobjekt, Öl auf Pappkern, Höhe 200 cm
Privatbesitz