Fotos (2): U.Thierfeld
Exposé
Vier Elemente - die Entstehung des Projektes
Die vier Elemente Erde, Feuer Luft und Wasser sind der menschlichen
Wahrnehmung zufolge die Grundbestandteile der Welt. In einer Synthese
aller Elemente können die zerstörerischen
Kräfte des
Einzelnen aufgehoben werden und als Gesamtheit vollkommen
sein.
Um diesen Ansatz gemeinsam mit ihren spezifischen künstlerischen Mitteln zu verwirklichen, arbeiten seit Mai 1998 der Maler Michael Goller, die Musiker der Band Mirromoon, die Modedesignerin Katja Polotzek und der Multimediaproduzent Stephan Lehmann zusammen. Gemeinsam entwickelten sie die Dramaturgie für die Performance und das Konzept für die Ausstellung.
Das Projekt kann als eine Kombination aus einer Musikperformance und
einer Ausstellung betrachtet werden. Bei der Uraufführung in
Chemnitz spielen Mirromoon erstmalig das instrumentale Musikwerk in
voller Länge. Erstmalig wird auch Gollers Bildgruppe und die
Textilobjekte von Katja Polotzek öffentlich gezeigt.
Das Projekt wurde unterstützt vom Kulturamt der Stadt Chemnitz
und der Hochschule Mittweida.
Vier Elemente - die Ausstellung
Im Mittelpunkt der Ausstellung von Michael Goller steht die vierteilige Bildgruppe "Vier Elemente", die als Ergebnis der jahrelangen Beschäftigung Gollers mit dem Thema betrachtet werden kann. Die vier Bilder, von denen jedes ein Element repräsentiert, ergeben zusammengesetzt eine Einheit und wirken als Ganzes. Obwohl jedes Einzelbild eine eigenständige Komposition ist, ist die Gesamtkomposition es auch. Die Bilder beziehen sich farblich und formell aufeinander. Die für Gollers Arbeiten typischen "rationellen Einschlüsse", tauchen hier auf in Form von iconhaften Zeichen, deren semantische Funktion komplementär zu sein scheint. So sind die Bilder miteinander vernetzt. Die Malerei ist sehr von einem pastosen Gestus geprägt. Die Farbkomposition entfaltet eine unterschwellige Intensität.
Die Bildgruppe entstand 1998/99, Öl auf Leinwand, 190 x 200
cm.
Die sogenannten Doppelbilder beschäftigen sich mit den
dualistischen Beziehungen von jeweils zwei Elementen.
Vier Elemente - das Musikwerk
Die instrumentale Komposition von Mirromoon hat eine Dauer von ungefähr 45 Minuten und wird live gespielt (git.,git.,bass,perc.). Es besteht aus insgesamt zwölf Teilen. Es liegt ein Drehbuch mit einer Handlung zugrunde. Im ersten und zweiten Teil entstehen die Elemente aus dem scheinbaren Nichts. Danach entsteht der Mensch. Vom vierten bis siebten Teil beginnt der Mensch mit den Elementen zu interagieren, wobei er es am Ende schafft, die Elemente seiner Ordnung unterzuordnen. Heftige Reaktionen der Elemente lassen das menschliche Experiment aus den Fugen geraten und führen im zehnten Teil zu dessen Untergang. Musikalische Umsetzung erfährt diese Dramaturgie durch eine große Dynamikbandbreite, die auch sonst für Mirromoon typisch ist. Das geht von kratzenden Geräuschen in völliger Stille über sich steigernde sphärische Gitarrensamplings bis zum satten Mirromoon-Sound.
Die
Videoprojektion von Stephan Lehmann
Die von Stephan Lehmann geschaffene Projektion ist im Zusammenhang mit
der Musik von Mirromoon zu sehen. Die Klänge werden
entsprechend
der Dramaturgie gewissermaßen visualisiert. Die so
entstandenen
abstrakten und harmonisch bewegten Grafiken werden hinter die Band
projiziert und können im Zusammenhang mit ihr wahrgenommen
werden.
Stephan Lehmann, geboren 1976 in Leipzig, studierte von 1995 bis 1999
Medientechnik in Mittweida mit der Spezialisierung
Multimediatechnik.
Die Textilobjekte von Katja Polotzek
Innerhalb des Kunstprojektes "Vier Elemente" versteht Katja Polotzek
ihre textilen Objekte als dreidimensionale Interpretation des Themas.
Um die Elemente darzustellen, vertiefte sie sich in die typischen
Ausdrucks- und Wirkungsmechanismen jedes der vier Elemente. Sie fand
heraus, dass Farbübergänge und -nuancierungen das
Wichtigste
bei ihrer Arbeit werden würden. Weiterhin wird sich die
Wirkung
durch die spezifische textile Struktur verdichten. Über die
Formsprache des jeweiligen Objektes erfährt man die Trennung
der
Elemente. Die Objekte werden in ihrer Verschiedenartigkeit dennoch
miteinander korrespondieren. Jedes von ihnen hat
gleichermaßen
Sanftheit und Zorn bis zur Zerstörungsfähigkeit in
sich.
Katja Polotzek wurde 1972 in Stollberg geboren, nach Abschluss ihres Studiums an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Schneeberg arbeitet sie als Modedesignerin mit eigenem Label.
Storyboard "vier
elemente" :
(das Storyboard ist der Hintergrund für Musikwerk
und Videoanimation)
1 (ca. 2,00min)
ursprung der elemente...eng beieinander stehende figuren sind
durch
fehlendes licht nur als "wabbernder klumpen" wahrnehmbar
2 (ca. 7,00min)
entstehung der elemente...aus dem "wabbernden klumpen" treten
die
die elemente verkörpernden figuren ein stück heraus
und bewegen sich dabei
elementspezifisch bis alle elemente ihre "bahn" gefunden haben, der
klumpen sich also aufgelöst hat, zusammen bewegen sie sich
dann trotz ihrer
spezifischen art sehr harmonisch miteinander...ein lockeres
transparentes band
zwischen den figuren symbolisiert die verbundenheit und
abhängigkeit zwischen
den elementen
3 (ca. 2,00min)
der mensch entsteht...durch die ureigenen kräfte und
das gegenseitige
wechselspiel von harmonie entsteht eine neue kraft, der
mensch...ebenfalls nur
schemenhaft erwacht er zwischen den unbeeindruckten elementen
4 (ca. 5,00min)
erste schritte des menschen...der mensch steht auf und
wandelt erst einmal
orientierungslos umher, erde und luft sind
seine begleiter und grenzen dabei seinen lebensraum ein, sie geben den
takt an,halten ihn auf entfernung zu feuer und wasser, er ist also auf
sie
angewiesen, gleichzeitig sieht man, daß auch er durch das
lockere band mit den
elementen verbunden ist
5 (ca. 4,00min)
erkundung
der elemente...der
mensch versucht nun die elemente feuer und wasser für sich zu
entdecken und zu
verstehen, er tastet sich dabei vorsichtig an sie heran, wird aber im
letzten
moment immer wieder von seiner angst heimgesucht und ergreift die
flucht um
gleich das spiel in ähnlicher weise wieder zu beginnen
er entdeckt kann das verbindende band jedoch nicht entdecken
6 (ca. 3,00min)
zuflucht im schutz von erde und luft...mensch flieht aus
angst in den bekannten schutz
von erde und luft, lebt dort erst einmal recht unbeschwert, wird aber
mit der
zeit unzufrieden, fühlt sich unwohl, haßt die
unvorhersehbaren angriffe von
feuer und wasser, erkennt aber deren nutzen und macht deshalb
pläne, wie man
sie versklaven könnte, schließt dabei aus seinen
erfahrungen
7 (ca. 5,00min)
menschliche
neuordnung...um
seine pläne zu reaslisieren, nimmt der mensch nun
große umwälzungen bei den
elementen vor, er reißt sie umher, er pfercht sie ein und
nimmt feuer und
wasser an die "kette", wieder ein symbolisches band, das aber diesmal
straff zwischen mensch und elementen gespannt ist
8 (ca. 4,00min)
die
reaktionen von erde und luft...aufgrund der
veränderungen, die der mensch
direkt vorgenommen hat, um sich feuer und wasser nutzbar zu machen,
verändern
sich nun erde und wasser selbstläuferisch und in einer weise,
die es dem
menschen zusehends erschweren, genügend schutz zu finden, im
gegenteil, erde
und luft sind immer feindlicher gestimmt
9 (ca. 4,00min)
die
unbekannte kraft der elemente...da des menschen
schutzumgebung immer weiter
schrumpft, verliert der mensch in immer größeren
maße die kontrolle über die
elemente, die sich nun in einer vorher nie erfahrenen weise
verändern, völlig
abnorm bewegen und beim menschen schließlich jeden
handlungsakt fehlschlagen
lassen
10 (ca. 4,00min)
untergang
des menschen...verzweifelt
versucht der mensch den gewaltigen kräften der elemente zu
trotzen und
verstrickt sich dabei immer mehr in seinem eigens gesponnenen netz, die
elemente
winden sich solange um ihn, bis er von der „kette“
(dem Band) gefesselt am
boden liegt und schließlich der atem erstickt wird
11 (ca. 1,00min)
die
regenerierung...der mensch ist tot und die elemente kommen
kurze
zeit später zur ruhe, sie formieren sich wieder in ihren alten
bahnen
12 (ca. 3,00min)
ein
neuer anfang...wieder
„tanzen“ die elemente spannungsgeladen und trotzdem
in innerer harmonie
während im film ausblick auf ein neues wesen gegeben wird, ein
kind, das
unwissend das lose band aufhebt am horizont verschwindet
(Th.Schmieder, K.Polotzek, M.Liebing, S.Lehmann, S.Heymann, M.Goller, A.Friedrich · 1998/1999)