Vier Elemente

Sparkasse Chemnitz 25.11.1999-24.1.2000

Das Projektteam "vier elemente": Katja Polotzek, Thomas Schmieder, Alex Friedrich, Michael Goller, Sven Heymann, Stephan Lehmann und Marcel Liebing (v.l.)  Fotos (2): U.Thierfeld 

Exposé

Vier Elemente - die Entstehung des Projektes

Die vier Elemente Erde, Feuer Luft und Wasser sind der menschlichen Wahrnehmung zufolge die Grundbestandteile der Welt. In einer Synthese aller Elemente können die zerstörerischen Kräfte des Einzelnen aufgehoben werden und als Gesamtheit vollkommen sein. 
Um diesen Ansatz gemeinsam mit ihren spezifischen künstlerischen Mitteln zu verwirklichen, arbeiten seit Mai 1998 der Maler Michael Goller, die Musiker der Band Mirromoon, die Modedesignerin Katja Polotzek und der Multimediaproduzent Stephan Lehmann zusammen. Gemeinsam entwickelten sie die Dramaturgie für die Performance und das Konzept für die Ausstellung. 
Das Projekt kann als eine Kombination aus einer Musikperformance und einer Ausstellung betrachtet werden. Bei der Uraufführung in Chemnitz spielen Mirromoon erstmalig das instrumentale Musikwerk in voller Länge. Erstmalig wird auch Gollers Bildgruppe und die Textilobjekte von Katja Polotzek öffentlich gezeigt.
Das Projekt wurde unterstützt vom Kulturamt der Stadt Chemnitz und der Hochschule Mittweida.

Michael Goller vor der Bildgruppe "vier elemente" Vier Elemente - die Ausstellung

Im Mittelpunkt der Ausstellung von Michael Goller steht die vierteilige Bildgruppe "Vier Elemente", die als Ergebnis der jahrelangen Beschäftigung Gollers mit dem Thema betrachtet werden kann. Die vier Bilder, von denen jedes ein Element repräsentiert, ergeben zusammengesetzt eine Einheit und wirken als Ganzes. Obwohl jedes Einzelbild eine eigenständige Komposition ist, ist die Gesamtkomposition es auch. Die Bilder beziehen sich farblich und formell aufeinander. Die für Gollers Arbeiten typischen "rationellen Einschlüsse", tauchen hier auf in Form von iconhaften Zeichen, deren semantische Funktion komplementär zu sein scheint. So sind die Bilder miteinander vernetzt. Die Malerei ist sehr von einem pastosen Gestus geprägt. Die Farbkomposition entfaltet eine unterschwellige Intensität. 
Die Bildgruppe entstand 1998/99, Öl auf Leinwand, 190 x 200 cm. 
Die sogenannten Doppelbilder beschäftigen sich mit den dualistischen Beziehungen von jeweils zwei Elementen. 

Vier Elemente - das Musikwerk

Die instrumentale Komposition von Mirromoon hat eine Dauer von ungefähr 45 Minuten und wird live gespielt (git.,git.,bass,perc.). Es besteht aus insgesamt zwölf Teilen. Es liegt ein Drehbuch mit einer Handlung zugrunde. Im ersten und zweiten Teil entstehen die Elemente aus dem scheinbaren Nichts. Danach entsteht der Mensch. Vom vierten bis siebten Teil beginnt der Mensch mit den Elementen zu interagieren, wobei er es am Ende schafft, die Elemente seiner Ordnung unterzuordnen. Heftige Reaktionen der Elemente lassen das menschliche Experiment aus den Fugen geraten und führen im zehnten Teil zu dessen Untergang. Musikalische Umsetzung erfährt diese Dramaturgie durch eine große Dynamikbandbreite, die auch sonst für Mirromoon typisch ist. Das geht von kratzenden Geräuschen in völliger Stille über sich steigernde sphärische Gitarrensamplings bis zum satten Mirromoon-Sound.

Die Videoprojektion von Stephan Lehmann

Die von Stephan Lehmann geschaffene Projektion ist im Zusammenhang mit der Musik von Mirromoon zu sehen. Die Klänge werden entsprechend der Dramaturgie gewissermaßen visualisiert. Die so entstandenen abstrakten und harmonisch bewegten Grafiken werden hinter die Band projiziert und können im Zusammenhang mit ihr wahrgenommen werden.
Stephan Lehmann, geboren 1976 in Leipzig, studierte von 1995 bis 1999 Medientechnik in Mittweida mit der Spezialisierung Multimediatechnik. 

Die Textilobjekte von Katja Polotzek

Innerhalb des Kunstprojektes "Vier Elemente" versteht Katja Polotzek ihre textilen Objekte als dreidimensionale Interpretation des Themas. Um die Elemente darzustellen, vertiefte sie sich in die typischen Ausdrucks- und Wirkungsmechanismen jedes der vier Elemente. Sie fand heraus, dass Farbübergänge und -nuancierungen das Wichtigste bei ihrer Arbeit werden würden. Weiterhin wird sich die Wirkung durch die spezifische textile Struktur verdichten. Über die Formsprache des jeweiligen Objektes erfährt man die Trennung der Elemente. Die Objekte werden in ihrer Verschiedenartigkeit dennoch miteinander korrespondieren. Jedes von ihnen hat gleichermaßen Sanftheit und Zorn bis zur Zerstörungsfähigkeit in sich.
Katja Polotzek wurde 1972 in Stollberg geboren, nach Abschluss ihres Studiums an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Schneeberg arbeitet sie als Modedesignerin mit eigenem Label.

Storyboard "vier elemente" : (das Storyboard ist der Hintergrund für Musikwerk und Videoanimation)

1 (ca. 2,00min)
ursprung der elemente
...eng beieinander stehende figuren sind durch fehlendes licht nur als "wabbernder klumpen" wahrnehmbar

2 (ca. 7,00min)
entstehung der elemente
...aus dem "wabbernden klumpen" treten die die elemente verkörpernden figuren ein stück heraus und bewegen sich dabei elementspezifisch bis alle elemente ihre "bahn" gefunden haben, der klumpen sich also aufgelöst hat, zusammen bewegen sie sich dann trotz ihrer spezifischen art sehr harmonisch miteinander...ein lockeres transparentes band zwischen den figuren symbolisiert die verbundenheit und abhängigkeit zwischen den elementen

3 (ca. 2,00min)
der mensch entsteht
...durch die ureigenen kräfte und das gegenseitige wechselspiel von harmonie entsteht eine neue kraft, der mensch...ebenfalls nur schemenhaft erwacht er zwischen den unbeeindruckten elementen

4 (ca. 5,00min)
erste schritte des menschen
...der mensch steht auf und wandelt erst einmal orientierungslos umher, erde und luft sind  seine begleiter und grenzen dabei seinen lebensraum ein, sie geben den takt an,halten ihn auf entfernung zu feuer und wasser, er ist also auf sie angewiesen, gleichzeitig sieht man, daß auch er durch das lockere band mit den elementen verbunden ist

5 (ca. 4,00min)
erkundung der elemente
...der mensch versucht nun die elemente feuer und wasser für sich zu entdecken und zu verstehen, er tastet sich dabei vorsichtig an sie heran, wird aber im letzten moment immer wieder von seiner angst heimgesucht und ergreift die flucht um gleich das spiel in ähnlicher weise wieder zu beginnen
er entdeckt kann das verbindende band jedoch nicht entdecken

6 (ca. 3,00min)
zuflucht im schutz von erde und luft
...mensch flieht aus angst in den bekannten schutz von erde und luft, lebt dort erst einmal recht unbeschwert, wird aber mit der zeit unzufrieden, fühlt sich unwohl, haßt die unvorhersehbaren angriffe von feuer und wasser, erkennt aber deren nutzen und macht deshalb pläne, wie man sie versklaven könnte, schließt dabei aus seinen erfahrungen

7 (ca. 5,00min)
menschliche neuordnung
...um seine pläne zu reaslisieren, nimmt der mensch nun große umwälzungen bei den elementen vor, er reißt sie umher, er pfercht sie ein und nimmt feuer und wasser an die "kette", wieder ein symbolisches band, das aber diesmal straff zwischen mensch und elementen gespannt ist

8 (ca. 4,00min)
die reaktionen von erde und luft
...aufgrund der veränderungen, die der mensch direkt vorgenommen hat, um sich feuer und wasser nutzbar zu machen, verändern sich nun erde und wasser selbstläuferisch und in einer weise, die es dem menschen zusehends erschweren, genügend schutz zu finden, im gegenteil, erde und luft sind immer feindlicher gestimmt

9 (ca. 4,00min)
die unbekannte kraft der elemente
...da des menschen schutzumgebung immer weiter schrumpft, verliert der mensch in immer größeren maße die kontrolle über die elemente, die sich nun in einer vorher nie erfahrenen weise verändern, völlig abnorm bewegen und beim menschen schließlich jeden handlungsakt fehlschlagen lassen

10 (ca. 4,00min)
untergang des menschen
...verzweifelt versucht der mensch den gewaltigen kräften der elemente zu trotzen und verstrickt sich dabei immer mehr in seinem eigens gesponnenen netz, die elemente winden sich solange um ihn, bis er von der „kette“ (dem Band) gefesselt am boden liegt und schließlich der atem erstickt wird

11 (ca. 1,00min)
die regenerierung
...der mensch ist tot und die elemente kommen kurze zeit später zur ruhe, sie formieren sich wieder in ihren alten bahnen

12 (ca. 3,00min)
ein neuer anfang
...wieder „tanzen“ die elemente spannungsgeladen und trotzdem in innerer harmonie während im film ausblick auf ein neues wesen gegeben wird, ein kind, das unwissend das lose band aufhebt am horizont verschwindet  

(Th.Schmieder, K.Polotzek, M.Liebing, S.Lehmann, S.Heymann, M.Goller, A.Friedrich · 1998/1999)